Besonders interessant für geologische Interpretationen ist darüberhinaus die Kombination von DEMs mit Multi- oder Hyperspektralbilddaten, die Aufschluss über die Mineralien-Zusammensetzung der Oberflächenstrukturen geben. Insbesondere für den Mond sind durch die Raumsondenmissionen Chandrayaan-1, Chang'e, Kaguya/SELENE und Lunar Reconnaissance Orbiter eine Vielzahl neuer Datensätze in hoher Qualität verfügbar. Integrierte Elevations- und Hyperspektraldaten hoher Auflösung ermöglichen eine detaillierte topographische und mineralogische Kartierung und darauf aufbauend eine entsprechende geologische Interpretation der untersuchten Oberflächenregionen. Gamma- und Röntgenspektroskopie erlauben die Ermittlung der Häufigkeiten chemischer Elemente, wenngleich mit (im Vergleich zu Bilddaten) geringer Auflösung. Durch kombinierte Betrachtung dieser Datensätze lassen sich beispielsweise Rückschlüsse auf vergangene vulkanische Aktivität, Impaktereignisse und die innere Struktur und Zusammensetzung der untersuchten planetaren Körper ziehen.
Download: Regional DEMs of the lunar surface
Links: DEM des "Kobrakopfes" (perspektivische Darstellung, Blick aus nordwestlicher Richtung), der sich nördlich des Mondkraters Herodotus als langgestrecktes Tal (Vallis Schröteri) fortsetzt. Rechts: DEM des Mondkraters Silberschlag und der Rima Ariadaeus (perspektivische Darstellung, Blick aus östlicher Richtung). Die DEMs wurden auf Basis des photometrischen Ansatzes von Herbort et al. (ICIP 2011) und Grumpe und Wöhler (ISPA 2011) unter Verwendung von Chandrayaan-1-M3-Bilddaten in Kombination mit GLD100-Höhendaten erstellt. Die vertikale Achse ist (wie auch in den nachfolgenden DEM-Darstellungen) dreifach überhöht.
Links: DEM der Zentralberge des Mondkraters Bullialdus (perspektivische Darstellung mit überlagerter Albedo, Blick aus nordwestlicher Richtung), erstellt auf Basis eines photometrischen Mehrbild-Ansatzes unter Verwendung von Chandrayaan-1-M3-Hyperspektralbilddaten in Kombination mit Laseraltimetriedaten des LOLA-Instruments. Mitte: Wellenlänge der Absorption im Bereich um 1000 nm (farbcodiert, kalte Farben entsprechen geringen Werten und warme Farben hohen Werten, Wertebereich: 880-1000 nm). Die Nordhänge weisen eine systematisch geringere Absorptionswellenlänge auf als die Südhänge. Rechts: Auf Basis der DEM korrigierte Absorptionswellenlänge. Die Asymmetrie zwischen Nord- und Südhängen ist beseitigt, und das Gebiet geringer Absorptionswellenlängen ist viel klarer auf die Zentralberge begrenzt als ohne Korrektur (Wöhler und Grumpe, LPSC 2012). Die spektralen Eigenschaften der Zentralberge von Bullialdus deuten auf das Vorhandensein des Minerals Norit hin (Tompkins und Pieters, Icarus 110(2), 1994).
DEM des Ostteils des Mondkraters Alphonsus (perspektivische Darstellung mit überlagerter Albedo), erstellt auf Basis eines photometrischen Ansatzes unter Verwendung von Chandrayaan-1-M3-Bilddaten in Kombination mit Laseraltimetriedaten des LOLA-Instruments (Herbort et al., ICIP 2011).
DEM des Mondkraters Menelaus (perspektivische Darstellung mit überlagerter Albedo), erstellt auf Basis eines photometrischen Mehrbild-Ansatzes unter Verwendung von Chandrayaan-1-M3-Bilddaten in Kombination mit Laseraltimetriedaten des LOLA-Instruments (Grumpe und Wöhler, ISPA 2011).
Ergebnis eines automatischen Kraterdetektionsverfahrens auf Basis einer DEM hoher lateraler Auflösung, die mittels eines photometrischen Ansatzes unter Verwendung von Chandrayaan-1-M3-Bilddaten in Kombination mit Laseraltimetriedaten des LOLA-Instruments erzeugt wurde. Grün: bisheriger Kraterkatalog LU60645GT; gelb: zusätzlich detektierte Krater (Salamunićcar et al., ISPA 2011).
Chandrayaan-1-M3-Bilddaten (mit frdl. Genehmigung von NASA/JPL-Caltech) und DEMs der lunaren Hochlandvulkane (Highland Domes) Gruithuisen Gamma und Delta (oben, Höhe: 1740 m und 2010 m) und Mons Hansteen (unten, Höhe: 1070 m) (perspektivische Darstellung mit überlagerter Albedo). Die Erstellung der DEMs erfolgte auf Basis des photometrischen Ansatzes von Herbort et al. (ICIP 2011) durch Kombination der M3-Bilddaten mit Laseraltimetriedaten des LOLA-Instruments.
Links: DEM des lunaren Vulkankomplexes Mons Rümker (perspektivische Darstellung mit überlagertem Originalbild), generiert durch ein photometrisches 3D-Rekonstruktionsverfahren auf Basis einer Aufnahme der Raumsonde Smart-1 (Originalbild: ESA/J.-L. Josset). Rechts: DEM der nördlichen Hälfte des Mondkraters Kepler (perspektivische Darstellung), erzeugt auf Basis einer Aufnahmesequenz der Raumsonde Smart-1 durch Kombination einer Bündelausgleichsmethode mit einem Shape-from-Shading-Ansatz (d'Angelo und Wöhler, 2008).
Globale petrographische Karte des Mondes, die die relative Verteilung der drei wichtigsten lunaren Gesteinstypen wiedergibt (rot: Basalt; grün: magnesiumreiches Gestein; blau: eisenhaltiger Anorthosit). Die relativen Häufigkeiten wurden aus hochaufgelösten Karten von Elementhäufigkeiten abgeleitet, die durch statistische Analyse von Gammaspektroskopie-Daten der Raumsonde Lunar Prospector und Multispektralbildern der Raumsonde Clementine ermittelt wurden (Wöhler et al., PSS 2011).
Petrographische Karte der Region um den Mondkrater Eimmart A.
Links: LROC-WAC-Bild des nördlichen Teils des lunaren Vulkankomplexes Marius Hills. Rechts: Spektrale Merkmalskarte derselben Region, erstellt auf Basis von Chandrayaan-1-M3-Hyperspektralbilddaten. Rotkanal: Integrierte Bandtiefe (Integrated Band Depth, IBD) der 1000-nm-Absorption; Grünkanal: IBD der 2000-nm-Absorption; Blaukanal: LROC-WAC-Reflektanz. Die Vulkane zeigen geringe Absorptionen bei 1000 nm und starke Absorptionen bei 2000 nm und erscheinen in der Merkmalskarte daher grün. Dieses spektrale Verhalten wurde erstmalig von der Gruppe um C. Pieters beschrieben (Besse et al., LPSC 2010, abstract #1361).